Veröffentlichungen zum Thema Abfallvermeidung
Folgende Beiträge wurden im SBB Forum zum Thema Abfallvermeidung veröffentlicht.
SBB-FORUM I-2004Flusskostenrechnung - eine Erfolgsgeschichte
EU nimmt Flusskostenrechnung in die Liste der “Success Stories” auf
Spätestens mit dem Inkrafttreten des Kreislaufwirtschafts- und Abfallgesetzes (KrW-/AbfG) Mitte der neunziger Jahre wurde der Vorrang der Vermeidung vor der Verwertung und der Beseitigung im deutschen Abfallrecht festgeschrieben. Nur unvermeidbare Abfälle sollen schadlos und gemeinwohlverträglich entsorgt werden. Auf Landesebene fordern die Sonderabfallentsorgungsverordnungen von Brandenburg und Berlin von der SBB die Beratung von Abfallerzeugern und Entsorgern hinsichtlich der Möglichkeiten Sonderabfälle zu vermeiden sowie die Mitwirkung bei der Entwicklung neuer Möglichkeiten zur Sonderabfallvermeidung.
Die SBB erfüllt diesen Auftrag auf vielfältige Weise. Ihr Beratungsangebot umfasst zahlreiche Broschüren und Artikel, in Seminaren wird zu wichtigen Themen aktuell informiert. Als zentrales konzeptionelles Element kann die von der SBB beauftragte und mitgestaltete Entwicklung der Flusskostenrechnung als Erweiterung der betrieblichen Abfallbilanz angesehen werden.
Der Vorrang der Vermeidung von Abfällen gilt jedoch nicht nur in Deutschland, sondern bildet auch in der Europäischen Union seit geraumer Zeit die Maxime politischen Handelns. Hier wie dort gilt jedoch, dass zwischen Anspruch und Realität unverkennbar eine Lücke klafft. Bei der Ausgestaltung des aktuellen Umweltaktionsprogramms mussten der Rat und die Kommission der Europäischen Union feststellen, dass es im Abfallbereich zahlreiche Aktivitäten zur Förderung und Weiterentwicklung von Verwertung und Recycling gibt, aber nur sehr wenige Informationen und öffentliche Initiativen zur Abfallvermeidung existieren, obwohl diese nach wie vor die höchste Priorität besitzen soll.
Die Verantwortlichen für das Umweltaktionsprogramm beschlossen daher, zunächst den Ist-Stand in Sachen Abfallvermeidung in Europa zu erfassen. Zu diesem Zweck wurde die Europäische Umweltagentur EEA (European Environment Agency) beauftragt, erfolgreiche Beispiele, sogenannte „Success Stories“, zu sammeln. Zuständig für die Sammlung, Sichtung und Verbreitung von Informationen ist unter dem Dach der EEA das European Environment Information and Observation Network (EIONET). Im EIONET sind zur Zeit insgesamt 31 Staaten organisiert: die 15 EU-Mitgliedsstaaten, die 12 Beitrittsländer sowie Island, Norwegen, Liechtenstein und die Türkei.
Das EIONET hat seine Mitgliedsländer aufgefordert, Erfolgsgeschichten öffentlich initiierter und geförderter Abfallvermeidung zu sammeln und an die EU weiterzuleiten. Die eingereichten Projekte wurden anschließend gemeinsam mit dem ETC/WMF (European Topic Center on Waste and Material Flow) ausgewertet. Vierzehn Staaten haben insgesamt 91 Projekte gemeldet, siebzehn davon kamen aus Deutschland. Zu den deutschen Erfolgsgeschichten gehört auch das Flusskostenrechnungsmodell der SBB, das vom Land Brandenburg bei der Koordinierungsstelle eingereicht worden war.
Am 6. und 7. November 2003 fand in Treviso (Italien) der 6. EIONET Workshop on Waste and Material Flows statt, auf dem die Ergebnisse der Sammlung und das weitere Vorgehen besprochen wurden. Die verantwortlichen Organisatoren des Projekts „Success Stories“ wählten dazu aus allen eingereichten Projekten drei aus, die von einem Vertreter des einreichenden Staates inhaltlich vorgestellt werden sollten. Unter den drei ausgewählten Nationen befand sich auch Deutschland mit dem Projekt Flusskostenrechnung der SBB.
Als Vertreter Deutschlands beim EIONET stellte Herr Rosenbusch vom Umweltbundesamt das Flusskostenrechnungsmodell der SBB auf dem Workshop vor. In der anschließenden Diskussion wurde festgehalten, dass der Ansatz, Stoffflüsse und die mit ihnen verbundenen Kosten zu betrachten, als probates Mittel der Abfallvermeidung in Zukunft in den Mitgliedsstaaten stärker beachtet werden sollte. Diese Ansicht korrespondiert auch mit dem Wunsch der Kommission, zur Förderung der Abfallvermeidung in Zukunft über die Abfallpolitik hinaus die Bereiche „Integrierte Produktpolitik“ und „Ressourcenmanagement“ mit einzubeziehen.
Alle eingereichten Projekte wurden mit Kurzbeschreibungen und Schlagwörtern versehen und in der Abfalldatenbank „Waste Base“ der EU veröffentlicht. Unter http://waste.eionet.eu.int/wastebase/prevention finden Sie alle Projekte aufgelistet und können sie nach verschiedenen Stichwörtern selektieren.
Die überaus positive Aufnahme unseres Ansatzes motiviert uns zusätzlich, auf diesem Weg weiter voranzugehen. Unser Ziel ist es, das erfolgreiche Instrument Flusskostenrechnung weiter bekannt zu machen und mehr Firmen von den ökologischen wie ökonomischen Vorteilen einer Anwendung zu überzeugen. Ein entsprechendes Projekt ist bereits geplant und wird nach Genehmigung der notwendigen Fördermittel begonnen. Sollten Sie Fragen dazu haben oder sich mit Ihrer Firma gerne beteiligen wollen, wenden Sie sich bitte an Herrn Dr. Jancke unter vermeidung@sbb-mbh.de oder Tel. (0331) 27 93 -44.