Veröffentlichungen zum Thema Abfallvermeidung
Folgende Beiträge wurden im SBB Forum zum Thema Abfallvermeidung veröffentlicht.
SBB-FORUM II-1999
Kostensparen durch abfallarmes BauenEin Rückblick auf das Abfallvermeidungsseminar im Januar
Unter diesem Motto stand ein Seminar, das die Sonderabfallgesellschaft Brandenburg/Berlin mbH (SBB) im Rahmen ihrer Abfallvermeidungsberatung am 28. Januar 1999 in den Räumen des Deutschen Architektur Zentrums DAZ durchgeführt hat.
Bausonderabfälle stellen einen bedeutenden Massenstrom dar. Die Praxis zeigt jedoch, dass es über die Vermeidung von Bausonderabfällen einen erheblichen Beratungsbedarf gibt. Dieser Eindruck wurde auch durch den regen Zuspruch bestätigt, den die Veranstaltung hatte. 70 Teilnehmer, die als Abfallerzeuger, Entsorger, Berater oder in öffentlichen Verwaltungen mit der Thematik befasst sind, waren gekommen, um sich zu informieren, zu diskutieren und neue Kontakte zu knüpfen.
Alle Vorträge der Veranstaltung folgten der Erkenntnis, dass eine wirkungsvolle und umfassende Vermeidung von Abfällen im Baubereich nur gelingt, wenn diese bereits frühzeitig im Planungsprozess berücksichtigt wird. Wiederholt konnte aufgezeigt werden, dass konsequentes Abfallmanagement in der Bau- und Rückbauplanung nicht nur die Umwelt sondern auch das Budget entlastet.
Im Anschluss an die einführenden Worte durch den Geschäftsführer der SBB, Herrn Berend Wilkens, der auf die zentrale Bedeutung der Abfallvermeidung in der Abfallwirtschaft hinwies, erläuterte Regierungsdirektor Andreas Versmann vom Ministerium für Umwelt, Naturschutz und Raumordnung des Landes Brandenburg die Verantwortlichkeiten und Rechtspflichten hinsichtlich Abfallvermeidung und Abfallentsorgung in der Bauwirtschaft. Neben den materiellen Anforderungen und den behördlichen Zuständigkeiten standen insbesondere die Pflichten der einzelnen bei Baumaßnahmen Beteiligten im Mittelpunkt der Erläuterungen. Detailliert beschrieb Herr Versmann die rechtliche Position des Abfallerzeugers und des Abfallbesitzers und betonte deren Verantwortung für die Abfälle bis zum Abschluss der ordnungsgemäßen Entsorgung.
Über die Vorgaben zur Vermeidung, Verwertung und Beseitigung von Bauabfällen bei Planung und Ausführung von baulichen Anlagen des Bundes berichtete Bernhard Fischer vom Bundesbauministerium in Bonn. Ausgehend von der Überzeugung, dass durch einfache Planungsgrundsätze erhebliche Bauabfallströme vermieden werden können, wurde der Leitfaden „Arbeitshilfen Recycling“ erarbeitet. Diese Verhaltensregeln wurden für Bundesbaumaßnahmen eingeführt und per Einführungserlass für Baumaßnahmen des Bundes in Berlin für verbindlich erklärt. Die Arbeitshilfen, die als CD-ROM zu beziehen sind, sind jedoch auf alle Baumaßnahmen mit Abfallerzeugung gleichermaßen anwendbar.
Umweltgerechte, abfallarme Konstruktionen, die sich vor allem durch Langlebigkeit, Wiederverwendbarkeit und -verwertbarkeit der Komponenten sowie Umweltverträglichkeit der Baumaterialien auszeichnen, waren das Thema von Alexander Rudolphi von der Gesellschaft für ökologische Bautechnik (GföB), Berlin. Aus den Ausführungen wurde deutlich, dass für eine Bewertung des durch einen Baustoff oder eine konstruktive Maßnahme verursachten Abfallaufkommens der gesamte Lebenszyklus von der Rohstoffgewinnung bis zur Entsorgung des gebrauchten Produkts betrachtet werden muss. Dies geschieht in der Regel durch Ökobilanzen. Zahlreiche aufgeführte Beispiele belegten, dass die ursächlich ökologischen Ansprüche, wie die Forderungen nach der Präferenz industriell niedrig bearbeiteter Materialien und nach Material sparenden, gütegesicherten und langlebigen Konstruktionen, häufig zu Kosteneinsparungen und nicht zu einer Verteuerung der Baumaßnahmen führen.
Wolfgang Frieden vom Zentrum für Umweltschutz der Handwerkskammer Hannover ging in seinem Vortrag auf die Rolle der Planung und Umsetzung einer praxisgerechten Sammellogistik für Abfälle auf der Baustelle ein. Voraussetzung für eine Vermeidung ist die Erfassung der zu erwartenden Abfallströme bereits vor Beginn der Bauarbeiten durch die Bauleitung. Dadurch kann die Entsorgungslogistik (Art und Größe der Abfallbehälter, Einrichtung des Sammelplatzes, Nutzung von Vorsammelbehältern, Entsorgungswege, Kennzeichnung, Informationswege) optimal in den Bauprozess integriert werden.
Wolfram Prause und Mechthild Baron von der Ingenieurgesellschaft für Technischen Umweltschutz (INTECUS), Berlin, konnten umfangreiche vergleichende Analysen zu Ablauf und Auswirkungen verschiedener Abrissverfahren vorlegen. Es wurde belegt, dass der kontrollierte Rückbau unter den lokalen Bedingungen nicht nur ökologisch sondern ebenso ökonomisch eine lohnende Alternative zum herkömmlichen Abriss darstellen kann. Gerade beim kontrollierten Rückbau einer industriellen Altlast mit teilweise kontaminierter Bausubstanz übertrafen die Einsparungen den Mehraufwand an Personalkosten bei weitem. Diese Einsparungen wurden erzielt, indem vor dem Abbruch des mineralischen Baukörpers stufenweise alle störenden Materialien weitgehend in Handarbeit ausgebaut wurden. Die resultierenden Reinfraktionen konnten zu deutlich günstigeren Konditionen entsorgt werden.
Wesentlich für die Umsetzung der Vorstellungen zur Vermeidung und Verwertung von Baustellenabfällen ist ein geeignetes vertragliches Regelwerk. Beispiele aus der baubetrieblichen Praxis führte Klaus Lipsmeier von der Fa. HOCHTIEF in seinem Vortrag aus. Ein Regelwerk ist nur so gut, wie seine Instrumente zur Umsetzung sind. Die wichtigsten Bestandteile für die Umsetzung sind eine klare Verantwortungsstruktur, ein einfacher Kontrollmechanismus mit Maßnahmen zur Regulierung und ein solides Kostenmanagementsystem. Herr Lipsmeier stellte dar, welche Bestandteile die Verträge zwischen dem Bauherren, der Genehmigungsbehörde, dem Architekten, dem Generalunternehmer, dem Nachunternehmer, dem Lieferanten, dem Hersteller sowie dem Entsorger haben sollten.
Abschließend erläuterte Dr. Michael Meetz von der Gesellschaft für Umwelt, Verkehr und Energie (uve), Berlin, warum die ökonomisch wie ökologisch sinnvolle Wiederverwendung und Verwertung von Bauteilen und Baustoffen eine vorausschauende Organisation und eine abgestimmte Logistik verlangen. Schon bei der Vorbereitung eines Rückbaus muss geklärt werden, wann welche Komponenten anfallen und wohin sie gehen sollen. Anhand von Beispielen aus der Praxis und Kostenvergleichen für die Region wurden mögliche Vorgehensweisen, aber auch Probleme bei der Realisierung dargestellt.
Weitere Informationen sowie einen Textband mit den oben vorgestellten Beiträgen erhalten Sie bei Herrn Dr. Jancke unter der Rufnummer (0331) 27 93-44.